Allgemeines

Beratungs- und Förderzentren in Hessen

KMK-Empfehlungen vom 06. Mai 1994
Paradigmenwechsel von der Sonderschulbedürftigkeit zum sonderpädagogischen Förderbedarf.

  • Abkehr von der Defizitorientierung
  • Individuelle Förderung – auf der Basis eines individuellen Förderplans
  • Sonderpädagogische Förderung – unabhängig vom Förderort (Sonderpädagogik in der allgemeinen Schule)

So viel Integration wie möglich, so wenig Separation wie nötig.

Grundsätze

  • Öffnung der Förderschulen / Überwindung von Isolation
  • Zusammenarbeit der Förderschulen mit allgemeinen Schulen
  • Subsidiaritätsprinzip
  • Primat der Prävention

 

Die Schule ist so zu gestalten, dass die gemeinsame Erziehung und das gemeinsame Lernen aller Schülerinnen und Schüler in einem möglichst hohen Maße verwirklicht wird und jede Schülerin und jeder Schüler unter Berücksichtigung der individuellen Ausgangslage in der körperlichen, sozialen und emotionalen sowie kognitiven Entwicklung angemessen gefördert wird.
Es ist die Aufgabe der Schule, drohendem Leistungsversagen und anderen Beeinträchtigungen des Lernens, der Sprache sowie der körperlichen, sozialen und emotionalen Entwicklung mit vorbeugenden Maßnahmen entgegenzuwirken.

  • § 3 (6) Grundsätze für die Verwirklichung des Bildungs- und Erziehungsauftrags der Schule (HSchG)

Präventive Maßnahmen
Beratungs- und Förderzentren

  • 89 regionale Beratungs- und Förderzentren (rBFZ)
  • 18 überregionale Beratungs- und Förderzentren (üBFZ)

  • 107 BFZ insgesamt

    43,7 % aller Förderschulen sind BFZ

Aufgabenstellungen und Qualitätsmerkmale der BFZ-Arbeit

  • Präventive und ambulante Förderung, Einzelförderung, Prozessberatung – „sich gemeinsam beraten“, Entwicklung eines individuellen Förderplans, gemeinsame Förderung

  • Prozessbegleitende Diagnostik, Lernausgangslage, prozessorientierte Förderplanung

  • Zusammenarbeit mit der allgemeinen Schule, Fortbildungseffekte durch die Zusammenarbeit in der gemeinsamen gestalteten Beratungs- und Fördersituation

  • Erhalt des angestammten Lernortes „allgemeine Schule“, Haltekraft des Regelschulsystem stärken

Organisation

  • Die Aufnahme der Beratungs- bzw. Fördertätigkeit verläuft nach einem geregeltem Verfahren

  • Grundlage ist die schriftliche Meldung des/r Schülers/in im BFZ durch die Regelschule

  • Dieser Meldung muss das Einverständnis der Erziehungsberechtigten beiliegen

Hinweise zur Zusammenarbeit

  • Auftragserklärung, Erwartungshorizont gemeinsam Reflektieren (Entlastungswünsche)

  • Annahme des Beratungsangebotes durch die Lehrkräfte der allgemeinen Schule erreichen

  • Enge Zusammenarbeit mit den Eltern, Vertrauensarbeit leisten, auf Mitwirkung der Eltern zielen

  • Kooperationsvereinbarungen treffen

Der institutionelle Auftrag der Beratungs- und Förderzentren ist zwar seit neuestem durch eine Richtlinie festgelegt, lässt aber weiter eine Vielzahl möglicher Beratungs- und Förderanlässe und hier sich hieraus ergebender Aufträge an die BFZ-Mitarbeiter/innen zu.

Eine erfolgreiche Kooperation zwischen Regelschule und BFZ wird sich nur dann entwickeln können, wenn die Erwartungen der Ratsuchenden und das Angebot der Berater/innen transparent gemacht und einigermaßen zur Deckung gebracht werden können.

Auftragserklärung

  • Die Erarbeitung von Lösungsansätzen und Handlungsmöglichkeiten erfolgt nicht einseitig vom Berater, sondern im Idealfall in einem gemeinsamen Verständigungsprozess.
    Mit der Option, nicht nur Beratungs- sondern auch Förderaufgaben übernehmen zu können, erweitert sich das Auftragsspektrum der BFZ-Kräfte in Umfang und Komplexität erheblich.
    Schließlich fügt die im Schulgesetz genannte Verpflichtung zur Kooperation des BFZs mit anderen Hilfeträgern noch eine weitere Komponente hinzu, die zudem die Ebene der unmittelbaren Fallarbeit übersteigt.

Besondere Aufgaben

Beispiele:

  • Begleitung des Übergangs in die Berufs- und Arbeitswelt
  • Beratung der allgemeinen Schulen bei der Förderung von Schülerinnen und Schüler aus anderen Herkunftsländern
  • Unterstützung der Schülerinnen und Schüler an allgemeinen Schulen mit besonderen Schwierigkeiten beim Lesen, Schreiben und Rechnen
  • Dezentrale Erziehungshilfe
    usw.
  • Übergang Kindergarten – Schule
  • Rückschulung

Regionales Netzwerk für Prävention und Förderung

  • Lehrkräfte und Einrichtungen förderpädagogischer und oder schulischer Förderangebote in der Region bilden ein „Regionales Netzwerk“
  • Außerschulische Einrichtungen können in das Netzwerk einbezogen werden

  • Lokale Wegweiser
  • Regionale Wegweiser

Koordination schülerbezogener Maßnahmen

  • Besprechungen und Konferenzen der Beratungs- und Förderzentren
  • Besprechungen und Konferenzen des regionalen Netzwerks (z.B. Polizei)
  • Koordination der sonderpädagogischen Fördermaßnahmen und sonderpädagogischen Unterstützungsleistungen in einer Region durch ein BFZ ist möglich
  • Delegation durch das Staatliche Schulamt

Institutionelle Anbindung des BFZ an die Förderschule

… ruft bei der Mehrheit der Eltern starke Verunsicherung hervor und führt auch bei Antragssteller/innen zu Meldeskrupeln.

Die feste Installation von BFZ-Kräften im Regelschulbetrieb ist hier eine Lösung.

 

  • BFZ-Kraft in größeren Schulen
  • Vertrauen der Regelschullehrer/innen durch den Bekanntheitsgrad verstärken

Die Schlüsselposition der Schulleitungen

  • In der Förderschule
  • In der allgemeinen Schule

Nutzen des BFZ für die Förderschule

  • Bei den Überprüfungsverfahren
  • In der Kooperation
  • Bei der frühzeitigen Fallerkennung

Wie sehen die Schulen der Region die Arbeit des BFZs

  • Hohe Akzeptanz
  • Wunsch nach mehr Ressourcen

Präventive Maßnahmen
Beratungs- und Förderzentren

  • Ambulante Förderung und Unterstützung Sinnesbeeinträchtigter:

  • 809 hörgeschädigte Schülerinnen und Schüler
    723 blinde und sehbehinderte Schülerinnen und Schüler
    1.532 Schülerinnen und Schüler insgesamt

  • Präventive und ambulante Förderung der BFZ bei besonderem Förderbedarf (unter Einbeziehung der Sinnesbeeinträchtigten):

    16.403 Schülerinnen und Schüler insgesamt, davon bei 7.892 Vermeidung einer Feststellung sonderpädagogischen Förderbedarfs (48,1 %)

Perspektivische Probleme

  • Hohe Belastung der Kolleginnen und Kollegen im BFZ durch:

    Arbeit an der Regelschule
    Arbeit an der Förderschule

  • Rückgang der Schülerzahlen
  • Erhaltung der Lehrerstellen
  • Erhaltung der Qualität im BFZ

Aufgaben, Arbeitsbereich und Arbeitsumfang der BFZ-Lehrkräfte

(Diskussionspapier – in Anlehnung an die BFZ-Richtlinien)

1. Vorrangige Ziele der BFZ-Arbeit

  • Unterstützung der allgemeinen Schule bei der Entwicklung eines angemessenen Förderangebotes im präventiven Sinne (Abs. 2) und ggf. Ergänzung des Förderangebotes.
  • Diagnostik, Beratung und Förderung von Schülerinnen und Schülern mit dem Ziel, den Lernort allgemeine Schule zu erhalten.
  • Regionale Förderzentren fördern in den Bereichen Lernen, Sprache sowie der sozialen und emotionalen Entwicklung

2. Vorrangige Aufgaben der BFZ-Lehrkräfte:

  • Beratung von Schülerinnen und Schülern, Lehrkräften und Eltern.
  • Diagnostik: Vorraussetzung für eine angemessene Förderplanung ist die genaue Erhebung der Lernausgangslage mit Hilfe informeller und standardisierten Testverfahren, in begründeten Einzelfällen auch Intelligenztests.
  • Die Ergebnisse aus Diagnostik und Beratung sind Grundlage für die konkreten Empfehlungen und Vorschläge durch die BFZ-Lehrkraft, die Bestandteil des gemeinsam entwickelten Förderplanes sind.
  • Bei der Erstellung von individuellen Förderplänen durch die Lehrkräfte der allgemeinen Schule sollte die BFZ-Lehrkraft unterstützen. Das Führen von Förderplänen ist die Pflicht der Lehrkräfte der allgemeinen Schule
  • Förderangebote der allgemeinen Schule können durch die BFZ-Lehrkraft unterstützt bzw. ergänzt werden (z.B. Binnendifferenzierung, Einzel- oder Kleingruppenförderung).
  • Ggf. Beratung bei GU
  • Einbeziehung außerschulischer Partner, Vernetzung, Kooperation

3. Weitere Aufgabe der BFZ-Lehrkräfte als Team

  • Abschluss von Kooperationsvereinbarungen

  • Bildung regionaler Netzwerke

  • Erstellung des lokalen Wegweisers

  • Teilnahme an lokalen Konferenzen

  • Teilnahme einzelner Teammitglieder an regionalen Konferenzen

  • Erhebung der Statistik und regelmäßige Evaluation, Zahl der Schüler

4. Arbeitszeit

  • Verrechnung der Stunden: Die Stunden im BFZ werden als Zeitstunden mit dem Multiplikator 1,5 verrechnet.
  • Präsenzzeiten in der Schule sind die Stunden, die die BFZ-Lehrkräfte von der Stammschule zugeordnet bekommen haben. Diese Zeit sollte auf jeden Fall schwerpunktmäßig für die Arbeit „am Kind“ genutzt werden.
  • 1/3 der Arbeitszeit steht für Arbeit außerhalb der Präsenzzeit zur Verfügung.
  • Diese Zeit kann genutzt werden für: Besprechungen mit Lehrkräften, Eltern, außerschulischen Partnern, Auswertungen, Schreiben von Berichten usw..
  • Die Tätigkeiten werden dokumentiert.
  • Grundsätzlich sollte die Bereitschaft bestehen, flexibel Zeit für Beratungsgespräche außerhalb der Kernunterrichtszeit anzubieten – natürlich im Verhältnis zu den BFZ-Stunden. (z.B. 3 BFZ-Stunden entsprechen 4,5 Arbeitsstunden, so dass im Monat etwa 6 Zeitstunden außerhalb der Präsenzzeit anfallen, davon könnten z.B. 2 Stunden für Konferenzen, 2 für Beratungen außerhalb der Kernzeit, 2 für Schreibtischarbeit, Telefonate anfallen).
  • Es ist sinnvoll, eine angemessene Balance zwischen „Arbeit nach der Stechuhr“ und Vermeidung von Überbelastung zu finden.
  • In Zweifelsfällen oder Konflikten mit der BFZ-Schule ist die Schulleitung der Stammschule weisungsbefugt.
  • Fahrtstunde (bei mehr als zwei Schulstandorten)
  • Die BFZ-Lehrkraft steht grundsätzlich nicht für die Unterrichts-, Pausen oder Nachmittagsgestaltung der allgemeinen Schule zur Verfügung.
  • Die BFZ-Lehrkraft ist nicht für unentgeltliche Nachhilfe oder Hausaufgabenbetreuung zuständig.

5. Aufgaben der BFZ-Konferenz:

  • Forum für Teamentwicklung, Austausch, Kompetenzerweiterung, Evaluation

  • Jede BFZ-Lehrkraft sollte verbindlich an allen Konferenzen teilnehmen.

  • Grundsätzlich sollte jeder seine Kompetenzen in das BFZ-Team einbringen.

6. Anregungen, Wünsche, Ideen…..

erstellt von Kim Siekmann und Martin Bauermeister, August 2008

 


 

 

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